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Alles über die Klit

Das wohl meist unterschätzte Organ befindet sich auf Überholspur und das ist auch gut so.

Von Anne Lomberg am November 17, 2023 -
Aktualisiert am November 18, 2023

Auch auf Englisch verfügbar
All about the Clit

Falls du es noch nicht wusstest, die Klit ist die Hauptquelle der weiblichen sexuellen Lust. Insgesamt misst sie eine Länge von durchschnittlich 10 cm, die bis in den Körper hineinragt. Was wir oft als Klit bezeichnen, ist nur der äußere Teil, die Klitoris-Eichel. Sie besteht aus mehr als 10.000 Nervenfasern und ist das empfindlichste Organ überhaupt. Diese wiederum wird von einer Vorhaut umschlossen und geschützt. Im Inneren und damit der unsichtbare Teil umfasst Klitoris-Schaft, die beiden Klitoris-Schenkel sowie Schwellkörper. Für das Gefühl sexueller Erregung und den Orgasmus ist vor allem die Klitoris-Eichel verantwortlich. Die hohe Nervendichte ist ausschlaggebend. In der Vagina selbst sind im Vergleich viel weniger Nervenfasern vorhanden. Aus diesem Grund gehen Forscher mittlerweile davon aus, dass der vaginale Orgasmus unmittelbar mit der Klitoris zusammenhängt und eine Unterscheidung zwischen vaginalem und klitoralem Orgasmus eigentlich gar nicht nötig ist. Der sogenannte G-Punkt ist übrigens Teil der innenliegenden Klitoris.

Die richtige Stimulation

Allein durch die vaginale Stimulation kommen die wenigsten zum Orgasmus und wenn, dann, weil die Klitoris involviert ist. Denn wie wir soeben erfahren haben, ist der erigierte Punkt eng mit der Klit verknüpft. Aber auch eine Reibung der Klitoris-Eichel ist erforderlich, um einen Höhepunkt hervorzurufen. Dies kann manuell mit den Fingern passieren, mit ausgewählten vibrierenden Sextoys oder auch beim Sex durch rhythmische Beckenbewegungen. Vielleicht hast du dich beim Masturbieren des Öfteren selbst dabei erwischt, wie du angefangen hast, deine Hüften zu kreisen oder den Druck in verschiedene Richtungen aufzubauen, dies ist kein Zufall, denn das aktive Empfangen ist Schlüssel zum Orgasmus. Die Klitoris schwillt genau wie ein Penis an, da sie ein Schwellkörper ist, und tatsächlich entwickeln sie sich zunächst aus derselben Struktur.

Da Frau zu Frau total unterschiedlich ist, ist natürlich auch die Klitoris in ihrem Erscheinungsbild vielfältig. Aber nicht nur das, auch was die Sensibilität betrifft, gibt es hier einige Abweichungen. Aus diesem Grund solltest du dich wahrhaftig mit deiner Vulva verbinden und herausfinden, welche Bereiche besonders intensiv auf Stimulation reagieren. Während manche Frauen direkten Druck auf die Klitoris-Eichel ausüben, streifen andere diesen empfindlichen Teil in ihrer Masturbationsroutine nur ab und zu.

Mein Tipp: Sei experimentierfreudig. Nutze ab und zu einen Spiegel, um dir bei der Selbstbefriedigung zuzuschauen und zu beobachten, welche Berührungen an welchen Bereichen dich so richtig anturnen. Wechsle zwischen manueller Stimulation mit den Fingern und automatischer mit Vibratoren. Kreise, tippe und trommle, bis der Arzt kommt! 🙂 Nein, im Ernst, wie ich es schon in mehreren Artikeln erwähnt habe, ist Wissen Macht. Nur wenn du deine Vagina ausführlich erkundest, wirst du dich zu verschiedenartigsten Orgasmen bringen und nachvollziehen können, wie diese entstehen. Es ist so ähnlich wie mit dem Squirten. Auch Squirten ist kein Hexenwerk, sondern eine Technik, die jede Frau erlernen kann.

In Paarbeziehungen gibt es so viel auszuprobieren, nicht nur mit Toys, die ich aber auf jeden Fall ab und zu integrieren würde, sondern auch mit unterschiedlichen Stellungen, Fingertechniken oder dem Penis in einer heterosexuellen Konstellation. Die Reiterstellung ist die beste Stellung, um parallel die Klit freihändig mit Reibung zu stimulieren. Bei allen anderen würde ich Fingerspiel oder Sextoys mit einbeziehen. Der Penis selbst ist ein verführerisches Tool, um die Klitoris-Eichel mit sanfter Klopftechnik oder dem sogenannten Pussy-Sliding in den Wahnsinn zu treiben. Auch hier gilt: Experimentieren, offen sein und vor allem kommunizieren!

Fun Facts

Mit dem Älterwerden wächst die Klitoris, aber sie altert nicht. Wenn das mal keine guten Aussichten sind für alle, die dem Alter skeptisch gegenüberstehen. Dies bedeutet, dass deine Orgasmen intensiver werden, umso älter du wirst, denn die Klit erreicht einen bis zu 2,5 Mal größeren Umfang nach der Menopause als zu Teenagerzeiten. Die Klit ist außerdem der einzige Körperteil, der nicht altert. Sie funktioniert in jedem Lebensabschnitt gleich als ultimative Quelle der Lust.

Erst im Jahr 1998 wurde die Klit vollständig entdeckt und zwar von der australischen Sexforscherin Helen O’Connell. Aufgrund ihrer Studie sind wir uns dem Ausmaß der Klit überhaupt erst bewusst geworden, denn vorher wurde ausschließlich die Klitoris-Eichel als Klitoris bezeichnet. Das sich dahinter ein viel umfangreicheres Organ verbirgt, war und ist für viele Frauen revolutionär. Eine Erkenntnis, die uns viel zu lange vorenthalten wurde.

G-Punkt und penetrative Orgasmen sind klitoral. Diesen Fun Fact möchte ich einfach noch mal vor Augen führen, weil ich glaube, dass um dieses Thema immer noch zu viel Trara gemacht wird, speziell was den ominösen G-Punkt betrifft. Ist es nicht viel entspannter, sich endlich damit abzufinden, dass das einzig orgasmusfähige Organ zumindest was diesen Part der weiblichen Geschlechtsorgane betrifft, unsere Klitoris ist. Sie kann durch die äußere und durch die innere Stimulation zu Orgasmen führen, in Kombination mit vaginaler Penetration oder auch ohne oder beides zusammen.

Die Klitoris hat nichts mit Fortpflanzung zu tun, sondern ist ein Lustorgan. Toll, oder? Während unsere Historie darauf ausgelegt ist, möglichst fruchtbar zu sein und Kinder zu gebären, gibt es dieses Organ in unserem Körper, dass damit überhaupt nicht zu tun hat. Ich finde diese Erkenntnis mehr als inspirierend. Zu wissen, dass wir Frauen offiziell Lustmenschen sind, mit dieser Lust spielen und experimentieren können, ist doch unglaublich powerful.

Spot-On

Das wohl meist unterschätzte Organ befindet sich auf Überholspur und das ist auch gut so. Weibliche Sexualität wir heute viel ernster genommen und ausgiebig studiert. Es geht nicht mehr um die Erfüllung einer Aufgabe, dem Mann möglichst erfolgreich Befriedigung zu verschaffen oder sich mit den üblichen Abläufen des typischen Rein- und Rausspiels abzufinden. Es geht um viel mehr, nämlich der Eroberung unserer Lust, bis wir nicht nur einmal, zweimal, nein, sondern ein haufenmal zum Orgasmus kommen. Es geht darum, keine Kompromisse mehr zu machen, wenn wir uns unbefriedigt fühlen und diesen Zustand in einer Beziehung einfach hinnehmen. Wir lieben unsere Klit und all die sinnlichen Gefühle, die sie uns beschert, egal in welchem Alter. Endlich können wir unseren sexuellen Bedürfnissen Ausdruck verleihen, weil wir unsere Klit kennen, ein neuentdecktes Land, ein Wunderwerk der weiblichen Lust.

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