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Play Safe: Warum du manche Sextoys besser nicht einführen solltest

Eine deutsche Studie von „Stiftung Warentest“ im Jahr 2019 gab bekannt, dass nur 3 von den 18 getesteten Toys schadstofffrei waren.

Von Anne Lomberg am Juli 3, 2023 -
Aktualisiert am Oktober 21, 2023

Auch auf Englisch verfügbar
Play Safe: Why you should better not insert some sex toys

Damals‘ denke ich und sinniere über die Zeiten des heimlichen Sextoy-Kaufs im Beate Uhse Geschäft, während heutzutage der Onlinemarkt für Erotikbedarf geradezu boomt und kontinuierlich neue Innovationen präsentiert, um der ansteigenden Nachfrage gerecht zu werden. Denn Selbsterkundung ist Lifestyle, Sex ist Wellness und das Schmuddel-Image längst überholt. Bei all der Auswahl an lustbringenden Sexspielzeugen kann man allerdings schnell mal den Überblick verlieren und sich im Genuss-Dschungel verlieren, ohne sich bewusst zu machen, mit was man sich da eigentlich gerade vergnügt. So schauen wir oft als Erstes auf Design, Funktion und natürlich den Preis. Warum du allerdings besser zuerst auf die Materialverarbeitung achten solltest, erfährst du in diesem Artikel.

Nicht alle Sextoys sind körperfreundlich! Das ist schockierend, entspricht aber der Wahrheit. Und dabei reden wir vom Weltmarkt. Gesetzliche Vorgaben, wie viele Schadstoffe Sextoys enthalten dürfen, gibt es nicht, es gibt lediglich Grenzwerte. So werden Sextoys von der FDA weder zugelassen noch geprüft und Hersteller machen keine konkreten Angaben zur Materialzusammensetzung ihrer Produkte. Eine deutsche Studie von „Stiftung Warentest“ im Jahr 2019 gab bekannt, dass nur 3 von den 18 getesteten Toys schadstofffrei waren. WTF … Schadstoffe haben in Sextoys nicht zu suchen, denn alles, was mit Schleimhäuten in Berührung kommt, sollte körperfreundlich sein.

Giftige Materialien

Phthalat oder auch Weichmacher genannt, gehören zu dem wohl größten Anteil der verwendeten Materialien in Dildos, Vibratoren und anderen Sexspielzeugen. Phthalate können unfruchtbar machen, Diabetes und auch Krebs auslösen, also solltest du auf jeden Fall die Finger von diesen Produkten lassen, auch wenn sie dich optisch vielleicht eher ansprechen.

Jelly ist ein Kunststoff aus PVC, der besser nicht mit deinen intimsten Stellen in Berührung kommt, denn es gehört zu den stark krebserregenden Inhaltsstoffen und ist daher in Kinderspielzeug beispielsweise gänzlich verboten. Viele Dildos bestehen aus Jelly, weil es weich und flexibel ist und sich aufregend anfühlt. Dazu kommt noch der günstige Preis, den die meisten attraktiv finden.

Hände weg von porösen Materialien. Lies die Produktbeschreibungen durch und achte darauf, dass das Sextoy nicht porös bzw. hypoallergen ist! Porös bedeutet, dass sich auf dem Toy winzige Poren befinden, in denen sich allerlei Schmutz, Pilze und Bakterien ablagern können. Dazu gehören auch Materialien wie TPE, Elastomer, Gummi, Vinyl und Silikonmischungen.“.

Zuletzt möchte ich auf Nickel und Schwermetalle hinweisen; Bestandteile, die besonders gefährlich sind und nicht sofort enttarnt werden, vor allem wenn die Hersteller sie nicht auflisten. Nickel und Schwermetalle lösen nicht nur Allergien aus, sondern sind auch stark krebserregend. Anstatt nur auf die weichen Materialien der Dildos und Vibratoren zu achten, schau dir unbedingt die Ladekontakte sowie die Bedienelemente an. Es gibt mittlerweile Toys, die per Ladestation aufgeladen werden und rundum aus medizinischem Silikon gefertigt wurden; die perfekte Wahl, wenn du mich fragst.

Körperfreundlich heißt die Devise

Falls du dich jetzt fragst, wie du sicherstellen kannst, dass dein Sextoy auch wirklich körperfreundlich ist, empfehle ich dir Marken zu unterstützen, die Wert auf eine qualitativ hochwertige Materialverarbeitung legen und ihren Fokus auf Selbstfürsorge im Zusammenhang mit Selbstbefriedigung legen. Zu meinen Top 3 Marken gehören:

Maude

Gegründet wurde Maude von Éva Goicochea und Dina Epstein, die neben einem minimalistischen und besonders ästhetischen Design ihrer Produkte auf erstklassige Materialverwendungen Wert legen. Sexual Wellness ist ihr Credo mit Fokus auf Qualität, Einfachheit und Inklusion. Und das Beste, die Produkte der Marke sind nicht nur gesundheitlich unbedenklich und sehen wunderschön aus, sondern sie sind auch erschwinglich.

Dame

„Get in touch with yourself”, dafür steht Dame und legt ihren Fokus auf sexuelles Wohlbefinden mit exklusiv verarbeiteten Materialien und Designs. Ihr Sortiment besteht ausschließlich aus zugelassenen Produkten mit 100 % körperverträglichen Materialien. Dame wurde 2014 von Sexologin Alexandra Fine und der MIT-Ingenieurin Janet Lieberman gegründet und hat sich seither als hochwertige Sextoy-Marke etabliert, vor allem bei denjenigen, die Wert auf erstklassig verarbeitete und gesundheitlich unbedenkliche Materialien sowie eine schöne Ästhetik legen.

Iroha by Tenga

Iroha by Tenga definiert Genuss mit Wertschätzung und Selbstfürsorge. Aus diesem Grund designen sie ausschließlich Produkte, die diese natürlichen Bedürfnisse erfüllen. Irohas Muttergesellschaft ist, wie der Name schon vermuten lässt „Tenga“, eine Marke, die sich vor allem auf Sextoys für Männer spezialisiert hat. Bei Iroha by Tenga sind Frauen die Schöpfer, um Sexualität für Frauen in Kombination mit einem ästhetischen Design gesellschaftsfähiger zu machen – „eine Marke kreiert von Frauen für Frauen.“ Ihre Produkte wurden aus körperfreundlichen Materialien gefertigt, die bedenkenlos verwendet werden können.

Falls du nach Alternativen zu Silikon Ausschau hältst, eignen sich Sexspielzeuge aus Glas, Edelstahl, Stein sowie ABS-Kunststoff. Achte dabei stets auf die Materialangaben, in denen ausdrücklich porenfrei, hypolallergen, Phthalat-frei und körperfreundlich aufgelistet ist. Recherchiere ein wenig über Marken, lese Bewertungen und vertraue auf Qualität statt Preis. Sobald dein Toy bei dir zu Hause eingetroffen ist, wirst du spätestens beim Auspacken merken, ob es sich bei deinem Vibrator bzw. Dildo tatsächlich um 100 % Silikon handelt, denn es riecht nicht.

Neben der Auswahl gesundheitsunbedenklicher Sexspielzeuge zählt die richtige Pflege.

Selbst wenn du bei deinem neuen Toy extra auf nicht-poröse Materialangaben geachtet hast, ist eine gute Reinigung das A und O, um Infektionen vorzubeugen. Insbesondere wenn man bereits eine sexuell übertragbare Krankheit oder Vaginalentzündung hat, kann diese durch das Sexspielzeug an den Partner weitergeben werden. Ich empfehle zur Reinigung mit warmem Wasser und Seife die Verwendung eines antibakteriellen Toycleaners, vor allem bei Analplugs. Bakterien, die vom Rektum übertragen werden, können im schlimmsten Fall Harnwegsinfekte und Magen-Darm-Erkrankungen auslösen.

Fazit

Die Wahl eines körperfreundlichen Sexspielzeugs stellt Gott sei Dank kein allzu großes Problem mehr dar. Denn viele Marken haben es sich zur Mission gemacht, die Sicherheit deines Körpers in den Fokus zu stellen. Meiner Meinung nach solltest du genauso wie bei allem anderen im Leben auch bei Sextoys keine Abstriche machen, wenn es um die Verarbeitung und folglich deine Gesundheit geht. Qualität ist besser als Quantität, und am Ende zählt nur eins: dein Erlebnis, dein Moment, dein Körper und das gute Gefühl, etwas Schönes und Gesundes mit dir selbst zu teilen.

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