Essays

Über Selbstfürsorge

Selbstfürsorge bedeutet Selbstberührung, seinen Körper wahrnehmen für das, was er ist, fühlen anstatt sehen, sich diesen Berührungen immer und wieder hinzugeben, sie zu umarmen und bewusst zu machen, dass dieser Teil essenziell ist.

Von Anne Lomberg am Juli 3, 2023 -
Aktualisiert am Oktober 21, 2023

Auch auf Englisch verfügbar
About Self-Care

Ich habe gerade wieder einmal Joan Didions Essay über Selbstrespekt gelesen, indem das wahrscheinlich berühmteste Zitat einen subtilen Übergang zu meinem Thema der Selbstfürsorge schafft.

„Ohne Selbstrespekt zu leben, bedeutet, eines Nachts wach zu liegen, jenseits von warmer Milch, Phenobarbital und der schlafenden Hand auf der Bettdecke, und die begangenen und unterlassenen Sünden zu zählen, das verratene Vertrauen, die subtil gebrochenen Versprechen, die unwiderruflich verschwendeten Gaben durch Faulheit, Feigheit oder Unachtsamkeit. Egal, wie lange wir es aufschieben, am Ende liegen wir allein in dem notorisch un-bequemen Bett, das wir selbst gemacht haben. Ob wir darin schlafen oder nicht, hängt natürlich davon ab, ob wir uns selbst respektieren oder nicht.“

– Joan Didion

In ihren Worten schwingt eine gewisse Freiheit mit, die wir uns entweder nehmen oder darauf verzichten, vielleicht sogar ein ganzes Leben lang. Dann wirkt das unbequeme Bett, das wir kreiert haben, vielleicht gar nicht mehr so unbequem, denn die Ausreden in Bezug auf Selbstrespekt bzw. Selbstfürsorge sind selbstgeschneidert, quasi selbsterfunden oder?

Kenne deine Grenzen

Selbstrespekt und Selbstfürsorge sind unabdinglich miteinander verbunden, denn Selbstfürsorge ist deine Haltung zu dir selbst und zu deinem Handeln -dein gelebter Selbstwert. Und das hat nix mit Egoismus zu tun, sondern einzig und allein mit einem gesunden Maß an Selbsteinschätzung; meint, wie weit kann ich mich verausgaben, um am Ende des Tages nicht fix und fertig ins Bett zu fallen und das an jedem einzelnen Tag in der Woche? Wie kann ich ein gesundes Gleichgewicht schaffen, indem ich mich und meine Bedürfnisse in den Vordergrund stelle? Selbstfürsorge ist die Antwort. 

Zu wissen, was sind meine persönlichen Grenzen, diese Grenzen zu wahren und mehr Nein als Ja zu sagen; das sind die grundlegenden Voraussetzungen für einen gesunden Selbstrespekt und Beginn der Selbstfürsorge. Dann starten wir unseren Tag, jeder für sich allein, vielleicht als Erstes mit einem Orgasmus, anstatt dem nervigen Geräusch des Alarms. Selbstfürsorge bedeutet Selbstberührung, seinen Körper wahrnehmen für das, was er ist, fühlen anstatt sehen, sich diesen Berührungen immer und wieder hinzugeben, sie zu umarmen und bewusst zu machen, dass dieser Teil neben einer gesunden Ernährung, Sport und der frischen Luft essenziell ist, um sich selbst besser kennen und respektieren zu lernen. Ich rede mit Absicht nicht von lieben lernen, weil ich denke, dass Respekt, diese Liebe bereits innehält. Wer sich selbst respektiert, kennt seine Grenzen, weiß, wie er bewusst seinen Tag gestaltet, sich zurücknimmt, wenn ihm danach ist und seinen Geist in Dialog mit seinem Körper bringt.

Ego-Identität 

Genuss und Wohlbefinden gehören zusammen wie Selbstbefriedigung und eine entspannte Massage, die man sich gerade geleistet hat, wie ein transzendentales Lusterlebnis und die kühle Meeresluft an einem Spätsommertag. Es ist das tiefe Einatmen und wieder loslassen; dem Annehmen des Augenblicks. Wer sich nicht selbst berührt, kennt sich nicht, verliert das Verständnis des eigenen Seins oder hat es nie erfahren. Die Art und Weise, wie man auf diese Ego-Entdeckungsreise geht, bleibt dabei jedem selbst überlassen. Bedeutend ist, dass man sich diese Zeit nimmt. Ego ist gut, Ego ist wichtig, um sich von gesellschaftlichen Vorstellungen und Erwartungen zu befreien und eine individuelle Identität zu erschaffen.

„Kurz gesagt, Menschen mit Selbstrespekt zeigen eine gewisse Härte, eine Art moralischen Mut; sie haben das, was man früher Charakter nannte, eine Eigenschaft, die zwar abstrakt betrachtet gut ist, aber manchmal gegenüber anderen, leichter verhandelbaren Tugenden an Boden verliert.“ – Joan Didion über Selbstrespekt in 1961

In dem Zusammenhang mach dir bewusst, dass niemand besser dafür geeignet ist, für dich zu sorgen, als du selbst und eine gewisse Abgrenzung von moralischen Tugenden gesund ist, genauso wie die Abgrenzung von Attributen wie schön oder hässlich.

Selbstfürsorge braucht Selbstbefriedigung 

Verinnerlichen wir noch einmal drei Begriffe, die unmittelbar in Zusammenhang mit Selbstfürsorge stehen: gesunder Lebensstil, Sport, Achtsamkeit. Dies sind alles Begriffe, die meiner Meinung nach nur einen Teil der Selbstfürsorge ausmachen, aber nicht den Inhalt widerspiegeln, meint: Ich kann mich so gesund ernähren wie ich will, auf Alkohol und einen ausschweifenden Lebensstil verzichten, jeden Tag Sport machen und meditieren, aber wenn ich nicht anfange mit mir selbst und meinen Körper gefühlsmäßig und mit Berührungen in Kontakt zu treten, dann kümmere ich mich doch nur halb wirklich, oder? Wenn du weißt, wie du es dir selbst so richtig besorgen kannst, dann macht das unglaublich frei, ganz zu schweigen davon, dass Orgasmen sich positiv auf deine Gesundheit auswirken und dein Selbstwertgefühl steigern. Dann wirst du zu deinem eigenen Liebhaber und lernst dich selbst aus einem ganz neuen Blickwinkel kennen, einem, der sich auf deine Umwelt überträgt, die dich als selbstbewussten Menschen wahrnimmt, mutig, stark, eigenständig und außergewöhnlich. Oder um es in Joan Didions Worten auszudrücken:

„Diese Art von Selbstrespekt ist eine Disziplin, eine Geisteshaltung, die man nicht vortäuschen kann, aber man kann sie entwickeln, trainieren, herauslocken.“

Alles in Balance lautet mein Credo und strahlt für mich am meisten Gesundheit und Fürsorge aus. Stress auf ein Minimum reduzieren, eigenständige Entscheidungen treffen, sich von gesellschaftlichen Vorstellungen abgrenzen, tief in sich gehen und fragen: Was ist es, was ich jetzt am meisten brauche? Zu wissen, dass Selbstbefriedigung eine Befreiung statt tabu ist, zu verinnerlichen, dass dein Körper ein Instrument ist, der sich bemerkbar macht, wenn etwas nicht stimmt und nach Ruhe und mehr Quality Time verlangt. Aber auch hungrig aufs Leben sein, ohne sich etwas zu verbieten. Spüren, zuhören, beobachten, wild und frei zugleich sein, sodass unser selbst gemachtes Bett stets ein wohliges Schnauben abverlangt; zu sagen: Ich bin angekommen. Ich bin zu Hause … hier in mir.

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