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Anal-Basics erklärt

Analsex ist aus vielen Gründen reizvoll. Frauen empfinden die anale Penetration viel intensiver und kommen in Kombination zu vaginaler und klitoraler Stimulation oft zu Megaorgasmen.

Von Anne Lomberg am Dezember 13, 2023

Auch auf Englisch verfügbar
Anal Basics Explained

Analverkehr gehört zu den wohl umstrittensten Sexpraktiken. Die einen lieben es, die anderen stehen dem Thema eher skeptisch gegenüber und verbinden damit Schmerzen sowie Unsauberkeit. Dabei kann Analsex mit der richtigen Vorbereitung und Technik intensive Empfindungen zum Vorschein bringen und sogar süchtig machen. Denn immerhin tummeln sich im Anus unzählige Nerven, die nur darauf warten, stimuliert zu werden.

Die richtige Vorbereitung

Alle, die Analsex beim Geschlechtsverkehr mit dem Partner regelmäßig integrieren, wissen, dass es auf eine besondere Hygiene ankommt. Zum einen möchte man die Gewissheit haben, dass bei der Penetration keine Kotreste haften bleiben und zum anderen geht es darum, keine Krankheiten zu verbreiten. Deswegen empfiehlt es sich ein paar Stunden vor dem Sex eine Analdusche zu verwenden, um auf Nummer sicherzugehen und sich rundum wohlzufühlen. Eine Analdusche sollte man allerdings nicht jeden Tag verwenden, da sonst die empfindliche Darmflora gestört werden kann. In der Regel reicht eine Erleichterung 2-3 Stunden vor dem eigentlichen Event. Außerdem weiß jeder, dass beim Analsex kleine Pannen passieren können und das dies völlig normal ist. Wichtig ist Grundhygiene und bei Bedarf die Verwendung eines Kondoms. Außerdem solltest du nie von analer zu vaginaler Penetration wechseln, um zu verhindern, dass Darmbakterien in die Vagina geraten, das bezieht sich auf deine Masturbationsroutine mit Sextoys sowie mit dem Partner. 

Falls du vor dem ersten Analverkehr selbst ausprobieren möchtest, wie sich eine anale Stimulation überhaupt anfühlt, lohnt sich das sanfte Herantasten mit Fingern. Benutze dafür unbedingt Gleitgel und achte darauf, dass deine Nägel kurz geschnitten sind. Integriere bei Bedarf zusätzliche Toys, um dich gleichzeitig klitoral und / oder vaginal zu stimulieren. Die erste Berührung mit dem Anus mag sich seltsam anfühlen, in Kombination zu anderen Reizen dafür aber umso herrlicher.

Langsam heißt die Devise

Der Anus ist im Vergleich zur Vagina von starken Schließmuskeln umgeben, die sich zunächst entspannen müssen, um ein sanftes Eindringen überhaupt zu ermöglichen. Deswegen ist eine langsame Dehnung das A und O. Diese Dehnung kann sich durchaus sinnlich gestalten und wunderbar mit ins Liebesspiel einbezogen werden, indem der Partner behutsam einen Finger einführt und danach weitere hinzufügt. Aber auch Analplugs und Dildos eignen sich hervorragend, um den Anus auf die Penetration vorzubereiten. Bei der Penetration kommt es auf eine rücksichtsvolle Taktik an, in ständiger Rücksprache mit dem Partner, um Schmerzen und Unwohlsein zu vermeiden. Anders als beim vaginalen Verkehr sollte man heftige Stöße zumindest am Anfang vermeiden. Und auch hier gilt die Verwendung von Gleitgel. Silikonbasiertes ermöglicht eine längere Gleitfähigkeit, während Wasserbasiertes besonders schonend für die Schleimhäute ist und sich mit allen Toys kombinieren lässt.

Der Reiz am Analsex

Wenn auch nicht jeder Lust darauf hat, Analsex in seinem Leben auszuprobieren, hat wahrscheinlich jeder schon einmal darüber nachgedacht, wie es sich anfühlen könnte. In heterosexuellen Paarkonstellationen führen mehr Männer aktiv Analsex aus, während die Mehrheit der Frauen eher anal penetriert werden, als dass sie ihren männlichen Partner anal befriedigen. Das hängt zum einen mit der traditionellen Geschlechterverteilung zusammen, als auch mit dem Stigma der Homosexualität. Dabei kann Analverkehr für beide Partner durchaus stimulierend sein, ohne die Frage von Gender überhaupt infrage zu stellen. Wer mit seinem Körper und Geist im Einklang ist, geht in den ehrlichen Austausch mit sich selbst und dem Partner, um tiefste Wünsche und Sehnsüchte wahrhaftig auszuleben, anstatt sie zu verbergen.

Analsex ist aus vielen Gründen reizvoll. Frauen empfinden die anale Penetration viel intensiver und kommen in Kombination zu vaginaler und klitoraler Stimulation oft zu Megaorgasmen. Außerdem spielt der Part der Hingebung eine große Rolle, indem Frau Zugang zu dieser sensiblen Pforte gewährt und dem Partner ein Eindringen erlaubt. Auf der unterwürfigen Ebene steigert die anale Penetration das Gefühl von Gehorsam, besonders wenn auf allen vieren praktiziert. Männer die Frauen gern anal verwöhnen, sprechen von einem angenehmen Engegefühl, dadurch, das die Schließmuskeln erst mal entspannt werden müssen, ist ein Eindringen nur behutsam möglich und das Empfinden dafür umso stärker. Natürlich verstärkt der Blick auf den Po mit jedem Stoß die Erregung. Im Gegensatz zur unterwürfigen Ebene wird hier die Dominante getriggert und ausgelebt.

Warum Männer auch in heterosexuellen Paarkonstellationen von der analen Penetration profitieren, hängt mit der Prostata zusammen. Die sogenannte Vorsteherdrüse gehört zu den erogenen Zonen und kann richtig massiert für intensive Orgasmen sorgen. Viele Männer entdecken ihre Prostata und die Empfindungen, die damit einhergehen nur zufällig und ungewollt beim Prostata-Check-Up, dabei könnten sie sich mit diesem sensiblen Organ viel früher auseinandersetzen und ihr volles Potenzial ausschöpfen.

Was hat es mit dem Analorgasmus wirklich auf sich

Während Männer den analen Orgasmus über die Prostata herbeiführen und diesen besonders intensiv wahrnehmen, stellt sich bei Frauen die Frage, ob es den analen Orgasmus überhaupt gibt, da außer Blutgefäßen und Nerven kein analer Hotspot zu finden ist. Dennoch berichten Frauen oft von analen Orgasmen, die sich anders anfühlen als vaginale oder klitorale. Die Wahrheit ist, dass die Kombination aus einer vaginalen / klitoralen und analen Stimulation heftige Höhepunkte auslöst und somit als analer Orgasmus wahrgenommen werden und definiert werden kann.

Solltest du zu jenen gehören, die neugierig sind und Analsex unbedingt einmal ausprobieren wollen, dann empfehle ich dir, dies mit einer vertrauten Person zu tun. Ganz einfach, weil sich eine Kommunikation viel einfacher und offener gestaltet und Grenzen schneller klargemacht werden. Ich für meinen Fall empfinde große Lust bei der analen Stimulation, hab aber auch meine Zeit gebraucht, um es für mich zu entdecken und zu lieben. Mittlerweile gehört Analsex zu gutem Sex für mich dazu und das hat nicht immer was mit Penetration zu tun, sondern mit der Einbeziehung beim Akt an sich. Sprich mit deinem Partner, taste dich langsam heran, benutze Gleitgel und gehe ins Spüren. Solltest du das Gefühl haben, dass es sich einfach nur unangenehm anfühlt, dann ist es vielleicht nicht die richtige Zeit und du greifst später erneut auf diese Erfahrung zurück. Analsex kann wunderbar erfüllend sein, aber nicht jeder profitiert gleichermaßen von diesen zunächst fremdartigen Empfindungen, denn immerhin ist der Analkanal nicht für den Geschlechtsverkehr vorgesehen, sondern dient mit seinen Schließmuskeln als Sicherheitsvorrichtung, um den Darminhalt zurückzuhalten. Aus diesem Grund kommt es auf ein bewusstes Herantasten an, ohne Schmerzen und ohne Grenzen zu überschreiten, sonst kann die anale Erfahrung ganz schnell zum Tabuthema werden.

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